Die Ausgangssituation

Farbe ist sichtbares Licht. Eine Quelle strahlt es mit bestimmten Wellenlängen aus oder es durchleuchtet einen transparenten oder festen Körper oder dieser refklektiert es in einem bestimmten Winkel. Dabei kommt es zu komplexen Wechselwirkungen, die erheblichen Einfluss auf unsere Farbwahrnehmung haben.

Man denke nur an ein hellblaues Hemd, das am Morgen gelblich-grün erscheint, in der Mittagssonne bläulich-weiß erstrahlt, kurz vor Sonnenuntergang aber rötlich schimmert oder durch die Lichtreflexion einer grünen Wand plötzlich deren Farbtöne annimmt. Gerade beim Vergleich von farbigen Objekten kann das zu unkontrollierbaren optischen Effekten (Metamerien) führen. Wer also bei der Beurteilung von Werbefotos und Druckstücken nicht Äpfel mit Birnen vergleichen will, schafft erst einmal störungsfreie Licht- und Umgebungsverhältnisse.

Dann erst ist Schritt für Schritt ein Farbabgleich zwischen Produkt, Foto, Bildschirmdarstellung, Proof und Druckergebnis möglich. Normierung ist dabei das wesentliche Mittel zum Ziel.

Schritt 1: vom Objekt zum Bild

Am Anfang steht das Objekt, z. B. eine rote Bluse in der Trendfarbe „Cherry Tomato”, die Sie vom Fotografen für das nächste Mailing farbgetreu in Szene setzen lassen wollen.

Damit die Bluse zum Verkaufsschlager wird, sorgt ein Profi-Fotograf mit seinen genormten Studioleuchten für eine möglichst neutrale tageslichtähnliche Beleuchtung. Denn er weiß, dass das Farbspektrum des Lichts sowie der Einfall- und Ausfallwinkel auf die Oberflächenstruktur erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung der Objektfarbe hat.

Außerdem benutzt der Fotograf eine professionelle Digitalkamera, deren (normierte) technische Ausstattung einen möglichst großen Farbraum erfasst. Diese Geräte verfügen auch über eine Weißabgleich-Funktion, die die Farbe des Umgebungslichts neutralisiert. So können die Farben des Fotos weitgehend verzerrungsfrei gespeichert werden.

Hat er all diese Faktoren beachtet, liefert der Fotograf eine (innerhalb der technischen Grenzen) farbgetreue Fotodatei.

Schritt 2: vom Bild zum Softproof

Wer unseren Blog aufmerksam gelesen hat, weiß, dass jeder Monitor konstruktionsbedingt ein eigenes Farbdarstellungs-Profil hat. Um ungewollte Verzerrungen in der Farbdarstellung bei der Fotowiedergabe am Bildschirm auszuschließen, brauchen Sie deshalb einen kalibrierbaren Monitor mit hoher Farbraumabdeckung (gemäß ISO 12646:2015). Korrekt kalibriert gibt Ihnen so ein High-End-Gerät die Sicherheit, dass die Farbwiedergabe am Monitor exakt der Bilddatei des Fotos entspricht. Für perfekte Bedingungen muss der Monitor dabei allerdings in einer möglichst neutralen Normlichtumgebung (nach ISO 3664:2009), frei von störendem Lichteinfall oder verfärbenden Lichtquellen oder Wandfarben aufgestellt werden. Dann können Sie die Qualität des Fotos unter objektiven Bedingungen überprüfen. Das Ergebnis wird bei gleichen Einstellungen immer annähernd gleich sein.Farbwiedergabe im dialog.blog

Für die Nachbearbeitung und Profilierung des Bildes benötigt der Fotograf bzw. Grafik-Designer zudem eine professionelle Software. Solch eine Software erlaubt dann auch die Simulation des voraussichtlichen Druckergebnisses. Für diesen sogenannten Softproof wird der RGB-Farbraum des Bildes mittels ICC-Druckprofil in den kleineren CMYK-Farbraum des Druckverfahrens umgerechnet. Das Programm simuliert das Druckergebnis und berücksichtigt dabei sogar die Papierfarbe. Mit der richtigen Technik und Know-how sehen Sie also schon am kalibrierten Bildschirm, wie der Druck später ausfallen wird. Bei Bedarf führt der Grafik-Designer noch zielgerichtete Korrekturen aus. Die technischen Anforderungen an Softproofsysteme werden in der ISO 14861:2015 beschrieben.

Schritt 3: vom Softproof zum Proof

Für wen lohnt sich die Einrichtung einer Softproof-Station inklusive aufwändiger Schulung von Mitarbeitern für die fachgerechte Bedienung? Das ist interessant für Unternehmen, die

  • aufgrund ihrer Produkte sehr großen Wert auf hohe Farbtreue legen und/oder

  • regelmäßig in größerer Zahl Bilder und Softproofs beurteilen müssen.

Alternativ können Sie das Color-Management in die bewährten Hände einer Agentur legen und sich bei Bedarf jeweils einen verbindlichen Proof drucken lassen. Verbindlich heißt auch hier: Der Proof-Drucker wurde vorher kalibriert und ist in der Lage, das voraussichtliche Druckergebnis nach ISO 12647-7:2016 auf normiertem Proof-Papier verbindlich darzustellen. Deshalb wird der Proof nach dem Ausdruck anhand eines normierten Kontrollstreifens ausgemessen und nur dann zertifiziert, wenn die vorgegebenen Toleranzgrenzen eingehalten werden. Erst dann kann dieser Proof als Basis für die Freigabe durch den Kunden genutzt werden.

Auch hier gilt bei der Abmusterung: Sie benötigen Normlichtbedingungen (Lichtart D50 mit 5.000 Kelvin Farbtemperatur als Tageslichtreferenz, Auflicht Beleuchtungsstärke 2000 Lux), um einen Proof wirklich beurteilen zu können. Alle Anforderungen der ISO 3664:2009 erfüllt eine Normlichtkabine, die zusätzlich störenden Umgebungslichteinfall abschirmt und in einem Raum mit neutral grauer, matter Wandfarbe aufgestellt ist.

Schritt 4: vom Proof zum Druck

Die Druckerei erhält einen zertifizierten Proof zur Abstimmung am mit Normlicht ausgestatteten Drucktisch. Der Operator vergleicht Proof und Andrucke und nimmt die letzten Feineinstellungen an der Druckmaschine vor. Wenn vorher in allen Teilschritten unter den aktuell gültigen Normbedingungen gearbeitet wurde und die Druckerei nach Prozessstandard Offsetdruck (PSO) arbeitet, sollte das Ergebnis zumindest im klassischen Offsetdruck keinen Grund zur Reklamation geben, sondern eine vorhersagbare Qualität und Farbtreue aufweisen.

Fazit

Schon dieser grobe Überblick zeigt, dass die Abmusterung von Bildern und Proofs im Rahmen des Color-Managements ein extrem komplexes Thema ist. Wer Vergleichbarkeit über alle Produktionsschritte erzielen möchte, hat viele Normen zu beachten und optimale Voraussetzungen bei der optischen Abmusterung zu schaffen.

Unser Ziel ist es, unsere Kunden für diese Probleme zu sensibilisieren und Ihnen bedarfsgerechte Lösungen anzubieten. Wir liefern zertifizierte Proofs und erstellen Druckdaten nach PSO-Standard. Und wir arbeiten mit Partnern zusammen, die diese Normen erfüllen und entsprechende Ergebnisse liefern können.
Interesse an einem farbtreuen Druckergebnis? Kontaktieren Sie uns: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Colour-Management im dialog.blog


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